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Folbigg, Zoe – Dein erster Blick für immer

18. März 2021

Allgemeines

Titel: Dein erster Blick für immer
Verlag: Bastei Lübbe
Autor*in: Zoe Folbigg
Meine Genre-Einordnung: Liebesroman für Erwachsene
Seitenzahl: 381 Seiten
Kapitel: 54 + Epilog, untergliedert in 3 Teile
Perspektive: auktorialer Erzähler
ISBN: 978-3-404-18350-0
Preis: 11,00 Euro

Dein erster Blick für immer - Bild

Allgemeine Meinung

Nett für Zwischendurch

Dankeschön an den Bastei Lübbe Verlag, der mir dieses Exemplar zur Verfügung gestellt hat.

Rezension

Tja, wo fange ich da nur an? Auf jeden Fall mit einer SPOILER-WARNUNG. Denn diese Rezi wird definitiv nicht spoilerfrei.

Ich habe eine Tasse Kaffee, Kekse und jede Menge Notizen neben mir stehen und liegen, während ich auf meinem Bett sitze und diese Worte verfasse. Da dieser Text etwas länger wird, fühlt euch frei, euch ebenfalls etwas zu trinken und naschen zu holen, macht es euch gemütlich und viel Spaß beim Lesen.

Das Buch lässt sich sehr gut an. Der Schreibstil ist flüssig und bringt einen sofort nach England, wo die Geschichte von Maya Flowers und James Miller spielt. Maya arbeitet bei einer der größten Modeagenturen der Zeit und James hat einen Job in einer Werbeagentur.

Die Geschichte wird zunächst nur aus Mayas Perspektive erzählt. Gleich zu Beginn lernt man den „Bahn-Mann“ kennen, wie wir später feststellen dürfen ist das James Miller. Maya verliebt sich auf den ersten Blick in ihn und mehrmals erwähnt sie ihrer besten Freundin Nena gegenüber, dass sie den Bahn-Mann liebe. Und hier ist der erste Knackpunkt für mich:

Es mag durchaus sein, dass man einen Crush auf jemanden bekommen kann, weil es einfach Menschen gibt, die verteufelt gut aussehen. Ich denke, das kann jedem mal passieren. Aber es gibt für mich einen deutlichen Unterschied zwischen „Liebe“ und „Verknallt sein“. Liebe ist ein tiefgreifendes Gefühl, das über lange Zeit entsteht. Wenn man Vertrauen ineinander hat, sich kennt und durch gute und schlechte Zeiten miteinander geht. Verknallt-sein hingegen ist genau das Gegenteil: lediglich einen Crush auf jemanden haben. Maya spricht jedoch permanent von Liebe, was mich das ein oder andere Mal schon aufgeregt hat. Vielleicht gibt es Menschen, die sich sofort verlieben, aber für mich hat das Maya einfach nur naiv gemacht. Eine Stelle hat sich besonders eingeprägt in diesem Zusammenhang.

Maya sitzt im Zug und bewundert den perfekten Kleidungsstil ihres Crushes. Daraufhin sieht sie an sich herunter und denkt sich, dass sie selbst eher schlicht gekleidet sei und das vielleicht ändern sollte. Fortan läuft sie mit bunten Kleidern und Schleifen an den Schuhen herum. Es mag sein, dass sie das nur aufgrund ihres eigenen Willens gemacht hat, doch für mich hat diese Szene transportiert, dass sie sich aufgrund eines Typen ändert, den sie morgens in der Bahn sieht. Was meiner Meinung nach kein guter Grund ist, um etwas an sich zu ändern. Dennoch kann man das so stehen lassen, immerhin sind es immer noch Mayas Gefühle.

Damit wären wir aber schon beim nächsten Punkt: durch die auktorial gewählte Erzählperspektive hat man leider keinen guten Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere, sodass sie für mich unnahbar blieben. Dazu kamen jede Menge Infodumps. Das heißt, dass sehr viele Informationen gestreut werden, ohne in die Handlung eingebaut zu sein. Zudem sind einige der Informationen, meiner Meinung nach, nicht relevant für die Geschichte oder das Kennenlernen der Charaktere. Das macht die Charaktere unnahbar und ihre Handlungen oft unverständlich.

Ein weiterer Punkt, der mich gestört hat, war, dass die Perspektiven so plötzlich gewechselt wurden. Im einen Moment sind wir noch bei Maya, im nächsten schon bei James und im übernächsten bei einer völlig anderen Person.

Zudem gibt es so viele Charaktere und Namen, dass ich ohne ein Personenglossar leider total verloren war. Das hat mir ein wenig den Lesespaß genommen.

Kommen wir zur Beziehung zwischen den Charakteren. Da ist zum einen Nena, Mayas beste Freundin. Die sonst so quirlige Tänzerin und als Clown arbeitende Nena verliebt sich im Laufe der Geschichte in Tom, einen ruhigen Mann mit Kind, was zunächst so gar nicht zu Nena zu passen scheint. So Mayas Meinung. Einige Male denkt sich Maya, dass sie es mehr als suspekt findet, wen Nena sich am Ende rausgesucht hat. Doch auch Nena verhält sich seltsam. Trotz einiger Kapitel, die aus ihrer Sicht erzählen, konnte ich nicht nachvollziehen, warum sie sich von ihrer BESTEN Freundin abgrenzt. Denn das tut sie. Plötzlich erzählt sie Maya nichts mehr, erzählt nicht vorerst nicht einmal davon, dass Tom ihr später einen Heiratsantrag macht. Wieso? Ich weiß es nicht. Trotz der Tatsache, dass wir in Nenas Gefühlswelt eintauchen sollten, erfahren wir ihre Beweggründe dafür, warum sie Maya plötzlich so viel verheimlicht, nicht.

Dann gibt es noch Velma. Velma ist eine weiße alte Dame, die Maya in ihrem Spanischkurs, den sie ehrenamtlich anbietet, kennenlernt. Die beiden werden rasch gute Freunde und Velma teilt einige Erfahrungen mit Maya, was auch der ausschlaggebende Punkt sein wird, wieso Maya dem Bahn-Mann eine Nachricht geben wird.

Velma war eine lebendige Person, was vielleicht daran lag, dass wir sie ausschließlich durch Mayas Augen erleben können und nicht mit unnötigen Infos zugeschüttet werden.

Ein weiterer Charakter, der auf mich seltsam gewirkt hat, war Cressida, Mayas neue Chefin. Sie ist ein richtiges Ekelpaket, hat etwas gegen Schwangere und Dicke. Sie teilt ganz schön aus und das nicht zu knapp. Was mich an ihr gestört hat war jedoch nicht, dass sie so gemein ist, immerhin braucht doch fast jede Geschichte einen Bösewicht. Viel mehr wirkte sie hineingequetscht, um Drama zu erzeugen. Denn aus mir unerfindlichen Gründen bekommt sie den Job, den eigentlich Maya machen sollte.

Es ist aber nicht alles schlecht an diesem Buch, auch wenn es jetzt den Anschein macht. Im Großen und Ganzen war es recht interessant, Mayas Werdegang zu verfolgen. Große Gefühle sollte man hier jedoch nicht erwarten. Mich konnte das Buch nicht mitnehmen, auf einer emotionalen Ebene, aus oben ersichtlichen Gründen.

Dennoch macht der lockere Schreibstil und die klare Storyline der Autorin das Buch durchaus zu einem schönen Leseerlebnis, wenn man mal abschalten möchte und einfach nicht nachdenken will.

Ein großer Pluspunkt für mich ist, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Und alle oben genannten Ausführungen haben mich nicht wirklich geärgert, sondern mir eher manchmal ein Fragezeichen auf die Stirn gezaubert oder ein Kopfschütteln entlockt.

Und wer weiß, vielleicht gefällt es dem ein oder anderen von euch besser als mir, Meinungen sind immerhin sehr subjektiv, auch wenn ich mich bemüht habe, fundierte Gründe für meine Gedanken zu finden und niederzuschreiben.

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